Strandholm – RGS 90

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Das Feld bei Strandholm mit dem Windpark und Syltholm im Hintergrund

 

Archäologen des Museums Lolland-Falster führen seit August 2013 auf einem Feld bei Strandholm, ca. 1,5 km östlich von Rødbhavn, eine archäologische Voruntersuchung durch. Sie erfolgt im Vorfeld des Baus einer Bodenreinigungsanlage für das Gebiet RGS90.

 

Die archäologische Voruntersuchung erfolgt auf traditionelle Weise mit langen, geraden Suchgräben. Zuvor hatte man auf dem Feld bereits zahlreiche bearbeitete Feuersteinstücke gefunden, mehrere überpflügte Grabhügel und sogar die traurigen Reste eines zerstörten und überpflügten Langdolmens registriert. Da keiner der Grabhügel mehr erkennbar ist, präsentiert sich der Ausgrabungsort unmittelbar als flacher und ganz normal bestellter Acker. Schaut man jedoch genauer hin, kann man noch immer geringe Niveauunterschiede im Gelände erkennen, die uns einen Eindruck der vielfältigeren prähistorischen Landschaft vermitteln. Der Ausgrabungsort Strandholm liegt auf einer nur wenig höheren Landspitze ungefähr parallel zur Küstenlinie des 19. Jahrhunderts.

 

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Übersichtskarte

 

Im Zuge der Voruntersuchung sind mehrere interessante Dinge aufgetaucht. Insbesondere die Jungsteinzeit ist mit einer Vielzahl von Eingrabungen oder Gruben vertreten mit Feuersteinwerkzeugen und Keramikscherben sowie Pfahllöchern, bei denen es sich möglicherweise um Relikte von aus Holz gebauten Häusern der Steinzeitbauern handelt. Mehrere der Keramikscherben, die in den Gruben gefunden wurden, sind schön ornamentiert/dekoriert. Die Art der Dekoration ist sehr spezifisch für die jeweilige Epoche und gestattet uns die vorläufige Schlussfolgerung, dass ein Großteil der Aktivitäten an dieser Stelle ab etwa 3400 v. Chr. stattfanden.

 

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Keramikfund aus der Jungsteinzeit (Trichterbecherkultur)

 

Es wurden auch mehrere Spuren gefunden, die Relikte von Beisetzungen sein könnten. Einige könnten aus der Jungsteinzeit stammen, während sich andere als erheblich jünger erweisen könnten, vielleicht aus der Eisenzeit. Mehrere der Gräber deuten darauf hin, dass in nachfolgenden Perioden diverse Aktivitäten und Rituale an diesem Ort stattfanden. So wurden u. a. zahlreiche sogenannte Kochgruben (Feuerstellen mit heißen Steinen in der Erde) direkt neben und rund um die Gräber angelegt. Das gilt sowohl für die Gräber, die vermutlich von kleineren Hügeln bedeckt waren, als auch rund um die natürliche Erhebung in der Landschaft, wo sich der Langdolmen befand. Welche Rolle die Kochgruben genau spielten, wissen wir noch nicht. Es liegt jedoch nahe, dass sie eine religiöse oder kultische Bedeutung hatten.

 

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Suchgraben mit lauter Kochgruben

Auch nach der Anlage der Gräber und der Beisetzung der Toten hatte dieses Gebiet mit seinen zahlreichen Begräbnisstätten und seiner küstennahen Lage vermutlich eine große Bedeutung für die Menschen, die in den umliegenden Gegenden lebten und arbeiteten.

 

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Eine der möglichen Begräbnisstätten

 

Gerade die umliegenden Gebiete sind in diesem Zusammenhang äußerst interessant. Hier zeigen die aktuellen Untersuchungen vor dem Bau der festen Fehmarnbelt-Querung u. a., dass die steinzeitliche Küste östlich von Rødbyhavn (Syltholm) über mehrere Jahrtausende das Zentrum umfangreicher Aktivitäten war. So hat man beispielsweise unglaublich gut erhaltene Fischfangplätze gefunden, die wohl die recht gut organisierte Nutzung der Küstenressourcen durch die steinzeitliche Gesellschaft widerspiegeln. Bereits jetzt wissen wir, dass es in den Datierungen von Strandholm und Syltholm mehrere Überschneidungen gibt. Der Abstand zwischen den beiden Gebieten ist so gering, dass sie von denselben Menschen genutzt worden sein müssen.

 

Die Unterschiede und die möglichen Zusammenhänge zwischen den beiden Gebieten - Strandholm im küstennahen Landesinneren und Syltholm an der Küste - gehören zweifelsohne zu den interessantesten Aspekten bei den archäologischen Untersuchen des Museums.