Ein 5-6.000 Jahre alter Pfeil

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86 cm langer Pfeilschaft mit Schnurresten zur Befestigung der Befiederung

 

Im November 2013 fand man bei der Ausgrabung östlich von Rødbyhavn einen äußerst gut erhaltenen Pfeil aus der Steinzeit.

 

Eine der allergrößten Herausforderungen für Archäologen ist der Moment, in dem der Bagger mit seiner großen Schaufel die zerbrechlichen, gut erhaltenen organischen Artefakte ausgräbt, die bei der kleinsten Berührung beschädigt werden. Daher ist es wichtig, diese Gegenstände rechtzeitig zu erkennen, bevor die Schaufel sie abschält.

 

Dem Falkenblick des norwegischen Archäologen Terje Stafseth entgeht kaum etwas. "Wir gingen zu zweit neben dem Bagger her und wetteiferten miteinander um den Fund von Scheibenbeilen. Plötzlich prescht Terje vor und stoppt den Bagger, der mit seiner gewaltigen Schaufel gerade eine lange, dünne, waagerecht liegende Holzstange hervorgegraben hat, die ganz unten in einer Gyttjaschicht lag.

 

Ein paar Millimeter tiefer und die Schaufel hätte sie abgeschält. Die Zeit steht still und der Jubel strahlt aus Terjes Augen. 'Das sieht aus wie ein Pfeil', ruft er aus, und ganz richtig - die Stange war völlig identisch mit unserer Vorstellung von der Form eines Pfeilschafts. Eine solche Fundsituation ist unbeschreiblich aufregend. Regen und Kälte verlieren in diesem Moment an Bedeutung. Die Gedanken wandern zurück in die Vorgeschichte, und man kann es kaum erwarten, sich hinzuknien und den Schaft, der aus der dunkelgrauen, übelriechenden Gyttja freigelegt wurde, zu bergen", berichtet der Archäologe Erlin Mario Madsen.

 

Ein Jagdwerkzeug aus der Steinzeit

Der schmale, 86 cm lange Pfeilschaft ist außerordentlich gut erhalten. Kaum zu glauben, dass er vielleicht 5-6.000 Jahre alt ist.

 

Das Kerbenende ist schwarz gefärbt, außerdem sind Reste von Pflanzenfasern/Bastfäden erhalten, mit denen der Schaft umwickelt war. Die Umwicklung diente zweifelsohne zur Befestigung der Befiederung am Pfeil. Die schwarze Farbe kann als Spuren des Klebemittels (Birkenteer) gedeutet werden, mit dem die Befiederung am Pfeil festgeklebt wurde.

 

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Der Pfeil wird vorsichtig gesäubert, bevor er für die Bergung vorbereitet wird

 

Leider hatte der Bagger das Ende mit einer eventuellen Pfeilspitze abgeschält - sie war in dem großen Erdhaufen nicht mehr aufzufinden. Daher wissen wir nicht, um welche Art von Pfeilspitze es sich handelte. Es wurden aber zahlreiche Querschneiden - der einzige Pfeilspitzentyp an der Ausgrabungsstelle - gefunden, davon drei in unmittelbarer Nähe des Pfeilschafts.

 

Der Pfeil wird gesichert

Nach der Freilegung wurde der Pfeilschaft vorsichtig im Block geborgen. Dazu gruben die Archäologen einen Erdblock aus, in dem sich der Pfeil befand, schoben einen Steg darunter, gossen Wasser auf das Holz, wickelten den Pfeil in Lebensmittelfolie, feuchte Küchentücher und wiederum Lebensmittelfolie und umwickelten das Ganze zum Schluss mit mehreren Lagen Gipsbinden. Anschließend wurde der Pfeil zum Konservieren gebracht. Jetzt müssen noch mehrere naturwissenschaftliche Analysen zur Bestimmung der Holzart und zur Datierung des Pfeils vorgenommen werden.

 

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Die Archäologen bergen den Pfeil mit größter Vorsicht in einem Erdblock, um ihn anschließend sicher zur Konservierung, Datierung und weiteren naturwissenschaftlichen Analyse zu bringen

 

Die charakteristische Querschneide, die gebräuchlichste Art der Pfeilbewehrung Ende der Altsteinzeit und Anfang der Jungsteinzeit (ca. 5400 - 3400 v. Chr.), war mit ihrer hohen Durchschlagskraft und der breiten, scharfen Schneide eine äußerst effektive Waffe. Außerdem war sie einfach herzustellen. Pfeile mit einer Querschneide als Bewehrung entwickelten sich zur wichtigsten Jagdwaffe - Pfeil und Bogen waren unentbehrlich bei der Jagd auf Groß- und Kleinwild.

 

Ähnliche Pfeile wurden bei Ronæs Skov und Tybrind Vig auf Fünen sowie im westjütländischen Tværmose gefunden. Es handelt sich um Pfeilschäfte aus langen, geraden Trieben des Gemeinen Schneeballs oder aus gespaltenem Kiefern- oder Eschenholz.

 

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Rekonstruktion eines Pfeils mit Querschneide von Jørgen Andersen, Museum Sønderjylland - Archäologie Haderslev.