Bogenopfer

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Fein zugespitztes Ende einer Bogenstange. Unterhalb der Spitze befindet sich ein Einschnitt zur Befestigung der Bogensehne. Der Bogen war die absolut wichtigste Jagdwaffe in der Steinzeit. Pfeil und Bogen waren unentbehrlich bei der Jagd auf Groß- und Kleinwild.

 

Der Fund eines senkrecht in der Torfschicht und im Untergrundlehm steckenden Bogens. Könnte es sich möglicherweise um ein Opfer handeln? Bei einer Ausgrabung eines steinzeitlichen Siedlungsplatzes im Oktober 2013 machten die Archäologen einen einzigartigen Fund.

 

Eine fundreiche Stelle

Schon zu Beginn der Ausgrabung stand fest, dass es sich um eine fundreiche Stelle handelte. Beim Abtragen der Pflugschicht entdeckte man am Boden der Gyttjaschicht, die einst Meeresgrund war, große Mengen von u. a. waagerecht liegenden und senkrecht stehenden zugespitzten Holzstangen, Feuersteinwerkzeugen, Knochenspitzen, Tonscherben und Schalmen von Fischspeeren.

 

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Archäologen des Museums Lolland-Falster bei der Ausgrabung interessanter Steinzeitfunde.

 

Bei der Freilegung der zahlreichen senkrecht im Boden stehenden Stangen, die zu einer noch nicht ganz erkennbaren steinzeitlichen Anlage, vielleicht einer Fischfanganlage, gehörten, wurden auch Reste eines senkrecht in den Boden gesteckten Bogens gefunden.

 

"Jetzt habe ich endlich etwas Interessantes gefunden"

Im Oktober hatten die Ausgrabungsarbeiten bereits mehrere Monate angedauert, und täglich tauchten neue interessante Steinzeitfunde auf. "Ich gehörte einfach nicht zu den glücklichen Findern", erzählt der Archäologe Erling Mario Madsen.

 

"Es war, als hätten mich meine Fähigkeiten oder das Glück verlassen. Doch gerade an diesem Tag im Oktober spürte ich, dass ich bald etwas Interessantes finden würde." Bei der Ausgrabung einer auf den ersten Blick wenig beeindruckenden senkrecht stehenden Holzstange, deutete nichts auf ein besonderes Artefakt hin. Die Stange wurde vermessen, fotografiert und im Profil gezeichnet. Doch als wir sie bargen, wurde klar, dass es sich um die Reste oder einen Teil eines Bogens handelt. Das Artefakt erwies sich die eine Spitze oder das eine Ende einer Bogenstange. Hinter der Spitze befindet sich ein Einschnitt zur Befestigung der Bogensehne.

 

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Vor der Bergung wird der Bogen wird registriert, dokumentiert, vermessen, beschrieben und fotografiert.

 

Opfer, Zufall oder praktische Wiederverwendung?

Das eigentlich Interessanteste an diesem Bogenstück ist sein Fundkontext bzw. seine Lage. Warum hatte man ihn in die Erde gesteckt wie eine normale Stange im Wasser vor der Küste?

 

Handelt es sich um einen alten, unbrauchbaren Bogen, der in einer Anlage irgendeiner Art wiederverwendet wurde? Oder vielleicht um eine rituelle Handlung? Die Art, wie er in den Boden gesteckt wurde, zeugt zweifelsohne von einer bewussten Handlung. Hoffentlich erfahren wir mehr darüber, wenn wir das Areal östlich von Rødbyhavn untersuchen.

 

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Drei verschiedene senkrecht stehende, zugespitzte Stangen. Die Stangen wurden während der Steinzeit weit in den lehmigen Untergrund gedrückt oder gebohrt. Solche Stangen können unterschiedlichen Zwecken gedient haben, beispielsweise in Fischfanganlagen. Bei Motala in Schweden fand man sogar Stangen mit Schädeln darauf..

 

Bogen aus der Steinzeit kennt man von vielen steinzeitlichen Fundorten, z. B. Holmegårds Mose auf Seeland, Ringkloster in Ostjütland, Tybrind Vig, Ronæs Skov im Gamborg Fjord im Westen von Fünen, Maglemosegård im Vedbæk Fjord sowie vom Horsens Fjord. In der Steinzeit war der Bogen ein äußerst wichtiges Werkzeug. Mit Pfeil und Bogen erlegte der Jäger seine Beute, beispielsweise einen Rothirsch, der eine große Menge Fleisch bedeutete. Am Fundort wurden auch Hirschgeweihe gefunden.