Ein Beilschaft aus der Steinzeit

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Fragment eines Beilschafts mit noch erkennbaren Schlagspuren

 

Archäologen wird häufig die Frage gestellt: Finden Sie Gold? Oder: Finden Sie etwas Interessantes? Meist bezieht sich die Frage auf so fantastische und greifbare Funde wie Gold, Edelsteine, Münzen, Waffen oder Skelette. Feuersteinklingen, Pfahllöcher oder Bodenschichten können aber ebenfalls wahre "Goldfunde" sein, da sie uns nähere Erkenntnisse über eine bestimmte Gesellschaft liefern und unser Verständnis für Zusammenhänge erweitern. Ihr Wert besteht darin, dass sie Verbindungen zwischen der Vergangenheit und unserer Zeit herstellen und uns die jeweilige Gesellschaft besser verstehen lassen.

 

Natürlich ist es für einen Archäologen fantastisch, einen goldenen Gegenstand oder ein Schwert zu finden; Strukturen und Zusammenhänge erzählen uns jedoch mehr über das Gesamtbild als einzelne Gegenstände. So geben uns beispielsweise Pfahllöcher wichtige Hinweise auf die Bebauungsstrukturen und die Lebensweise der Menschen in der Vorzeit. Eine Feuersteinklinge an sich sagt nicht viel aus, aber viele Fragmente an einer Stelle verraten uns, wo der Feuersteinschmied gearbeitet hat und wozu die Fragmente dienten. Bodenschichten sagen uns, wo sich einst Aktivitätsbereiche und Küstenlinien befanden.

 

Fantastische Funde sind natürlich einzigartig - etwas ganz Besonderes. Doch Alltagsgegenstände sind genauso wichtig, da sie über Leben und Alltag in prähistorischen Zeiten Auskunft geben.

 

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Abgerundeter Beilschaft mit deutlichen Bearbeitungsspuren. Das Werkzeug wurde also mit großer Sorgfalt angefertigt.

 

Ein Beilschaft aus der Steinzeit Aufgrund der außergewöhnlich guten Erhaltungsbedingungen in diesem Gebiet tauchen immer wieder Gegenstände aus organischem Material in der Gyttja auf. Bei einer ganz normalen steinzeitlichen Ausgrabung bestehen die meisten Funde aus Keramik oder Feuerstein, da alle Holzgegenstände verrottet sind. Im Gebiet hinter dem Sturmflutdeich sieht die Lage jedoch ganz anders aus.

Ein interessanter Fund aus diesem Bereich ist ein schön zugehauener und am Ende abgerundeter Beilschaft. Der Kopf des Beils wurde nicht gefunden - nur die untersten 15 cm des Schafts sind erhalten. Daher wissen wir nicht, wie das Beil geschäftet war. Es gab verschiedene Schäftungsmethoden, je nach Form des Beils und der Epoche, aus der es stammt.

 

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Kernbeil (l.) und Scheibenbeil (r.) - montiert

 

Das Beil war ein äußerst wichtiges Werkzeug für den Steinzeitmenschen. Zum Roden von Wald für neue Felder, zum Häuserbau und zum Holzhacken war es unentbehrlich.

Dieser Beilschaft ist nicht der erste seiner Art in Dänemark. Beilschäfte aus der Jungsteinzeit wurden auch in den Moorgebieten Christiansholms Mose bei Kopenhagen und Åmose im Westen Seelands gefunden.