Das älteste Ziegengehirn Dänemarks

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Ziegenschädel (l.) und Ziegengehirn (r.), ca. 3500 v. Chr.

 

Ein ganz besonderer Fund der Ausgrabungen ist ein nahezu kompletter Ziegenschädel, in dem - was völlig außergewöhnlich ist - ein wesentlicher Teil des Gehirns erhalten war. Der Zoologe Jacob Kveiborg vom Moesgård Museum hat den Schädel untersucht und mehrere horizontale Schnittspuren am Nacken entdeckt, die darauf hindeuten, dass es sich um ein zerlegtes Tier handelt, dessen Kopf vom Körper abgetrennt wurden. Auch den erhaltenen Teil des Gehirns findet der Zoologe äußerst interessant. Ein Gehirn besteht fast ausschließlich aus leicht zersetzbaren Fetten und ist damit ein äußerst seltener Fundtyp bei archäologischen Ausgrabungen.

 

Das Ziegengehirn von Syltholm hatte unmittelbar nach der Freilegung und trotz starker Schrumpfung noch eine leicht gerillte Oberfläche, die charakteristisch ist für die Gehirnrinde. Das zeugt davon, dass man das Tier direkt nach der Zerlegung in einer sauerstoffarmen, ruhigen Umgebung aufbewahrte, wie es sie gerade in dieser Gegend gab.

 

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Unterseite des Schädels

 

Ein Haustier der ersten Bauern des Landes

Nähere Untersuchungen haben ergeben, dass es sich hierbei um das älteste Ziegengehirn Dänemarks handelt. Schädel sind aus noch älteren Zeiten bekannt, aber ohne Gehirn, was diesen Fund so einzigartig macht. Radiokarbon-Analysen datieren das Ziegengehirn auf ca. 3500 v. Chr. +/- 100 Jahre. Präziser gesagt: Die Ziege lebte zwischen 3631 und 3373 v. Chr. Damit stammt der Schädel aus der frühesten Phase der Jungsteinzeit, in der die Einführung von Ziegen und Schafen sowie die Domestizierung von Urochsen und Wildschweinen den Beginn der Landwirtschaft mitdefinieren.

 

Archäologischen Untersuchungen zufolge begann die Bevölkerung in Dänemark in den ersten Jahrhunderten des 4. Jahrtausends v. Chr., also zu Beginn der Jungsteinzeit (ca. 3900 bis 1700 v. Chr.), den Boden zu kultivieren und Haustiere zu halten. Der Fund des Ziegenschädels beweist, dass die Region von einigen dieser ersten Bauern besiedelt war. Spuren zeigen, dass sie sowohl Ackerbau betrieben als auch Haustiere hielten.

 

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Verschiedene Tierknochen, die bei den einleitenden Voruntersuchungen gefunden wurden