Die Geschichte des Freilichtmuseums - "Die alten Häuser"

Auf dem Hof des Falstergården

Auf dem Hof des Falstergården

 

Die Geschichte des Freilichtmuseums nahm ihren bescheidenen Anfang an einem Wintertag im Dezember 1923 auf einer Wiese am See Maribo Søndersø in der Nähe des Hofes Gammel Skovnæs. Dorthin hatte Alex Holck, Kreisverwalter und Vorsitzender des damaligen Lolland-Falsters Stiftsmuseum (heute Teil des Museums Lolland-Falster), Victor Kolbye, Ingenieur und Vorsteher der Zuckerfabrik, zu einem Treffen bestellt. Doch warum sollten sich die beiden Herren an einem kalten Dezembertag auf einer Wiese treffen? Dafür gab es einen guten Grund. Der Museumsvorsitzende wollte den Vorsteher der Zuckerfabrik davon überzeugen, dieses Gelände, das dem Unternehmen De danske Sukkerfabrikker A/S in Kopenhagen gehörte, für die Errichtung eines Freilichtmuseums für Lolland-Falster zur Verfügung zu stellen.

Auf seinen vielen Rundreisen als Kreisverwalter hatte Alex Holck erlebt, dass die alten Gebäude in den jeweiligen Regionen abgerissen wurden, um Platz für moderne Bauvorhaben zu schaffen. Mit einem Freilichtmuseum konnte man die bedrohte Baukultur und somit einen Hauch des ländlichen Lebens vergangener Zeiten an einem Ort erhalten.

Alex Holck trat wohl sehr überzeugend auf und erhielt eine Fläche von 4.000 m2 sowie ein kostenloses Mietverhältnis mit einer Laufzeit von zehn Jahren. Bei dem Treffen hatte der Museumsvorsitzende bereits einige Häuser an der Hand, doch die Vereinbarungen und die Planung der Umsiedlung der Häuser nahmen viel Zeit in Anspruch.

Das Gelände wurde schnell eingezäunt und bereits im März 1924 traf die erste Ladung mit Bauteilen ein. Abbau und Transport der Gebäude mussten sehr sorgfältig durchgeführt werden. Sämtliche kleinen Einzelteile wurden nummeriert und zusammen mit schwerem Eichenholz, Backsteinen, Brettern, Türen und Fenstern auf das eingezäunte Gelände am See Maribo Søndersø transportiert.

Nach drei Jahren harter Arbeit hatte der Museumsvorsitzende sein Ziel endlich erreicht. Am Freitag, dem 29. Mai 1927 um 14.30 Uhr konnte er stolz das neue Freilichtmuseum der Region einweihen, das den Namen De gamle Huse (Die alten Häuser) erhielt. Bei der Eröffnung umfasste das Museum sieben Gebäude: Skovridergården (Försterei) aus Vantore, Kapellanboligen (Kaplanhaus) aus Landet, Stubmøllen (Bockwindmühle) von der Insel Fejø, Maltkøllen (Malzdarre) aus Vester Ulslev, Ane Huggemands Hus (Ane Huggemands Haus) aus Halsted, Lokhuset (Jens Loks Haus) aus Ørbygård und Landsbysmedjen (Dorfschmiede) aus Majbølle.

Trotz des großen Arbeitsaufwands in Verbindung mit der Errichtung der ersten sieben Häuser auf dem ehemaligen Zuckerfabrikgrundstück kam bereits zwei Jahre später etwas Neues hinzu. Im großen Scheunengebäude, das noch vom Hof Gammel Skovnæs stammte, richtete das Museum drei Ausstellungen ein: die polnische Sammlung, eine Sammlung historischer Landwirtschaftsgeräte und das Inventar aus Hovmands altem Kaufmannsladen aus Rødby. Zur gleichen Zeit erwarb das Museum ein seltenes Exponat, das seit jener Zeit im Freilichtmuseum zu sehen ist - den großen Dampfpflug von Højbygård aus dem Jahre 1872, der noch aus den Anfangszeiten des lolländischen Zuckerabenteuers stammt.

Trotz der schönen Sammlung von Gebäuden aus der Region war der Museumsvorsitze noch immer nicht zufrieden. Seiner Ansicht nach war für die Vollendung des Museums noch ein Bauernhof erforderlich. Sein Traum ging 1931 mit der Einweihung des Vierseithofs aus Nørre Ørslev auf Falster in Erfüllung. Danach vergingen acht Jahre, bis das nächste große Gebäude 1939 im Freilichtmuseum eintraf - die lange Reventlow Schule mit ihren dicken gestampften Lehmwänden. Gleichzeitig entstand der Dorfteich, da die Lehmausgrabung für das Gebäude ein großes Loch hinterließ.

Der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegsjahre brachten die Museumsaktivitäten zum Stillstand. Aufgrund großer finanzieller Probleme fehlte das Geld für die umfangreiche Wartung der Museumsgebäude.

Die Stagnation dauerte bis in die 1960er Jahre, in denen endlich wieder etwas passierte in "Den alten Häusern". Das Museum bekam den nahegelegenen Skovpavillon (Waldpavillon) übertragen, der einst dem Unternehmen De danske Sukkerfabrikker gehört hatte, und zudem noch finanzielle Zuschüsse für die nötige Instandsetzung der Gebäude. Nach vielen Jahren der Versäumnis dauerten die Renovierungsarbeiten das ganze Jahrzehnt über an, und auch ein Großteil des Inventars wurde einer durchgreifenden Konservierung unterzogen.

Mit neuen Kräften und für neue Herausforderungen gerüstet trat das Museum in die 1970er Jahre ein, einer großartigen Periode, die von vielen Aktivitäten und Veranstaltungen geprägt war, z. B. Volkstanzvorführungen oder Demonstrationen alter Handwerke wie Schmieden, Seilherstellung oder Weben. In dieser Blütezeit richtete man in der Försterei den alten Kaufmannsladen aus Rødby ein, der zuvor im langen Scheunengebäude des Hofs Gammel Skovnæs ausgestellt worden war.

Nach den 1970ern vergingen wiederum viele Jahre, bis neue Gebäude hinzukamen. 2003 übernahm das Museum ein kleines Landarbeiterhaus aus Godsted, das heute den Namen Havehuset (Gartenhaus) trägt. Das Häuschen bildet häufig den Rahmen für große Veranstaltungen des Museums, da es als Café oder zum Pfannkuchenbacken auf dem alten Holzherd genutzt werden kann.

2009 erhielt das Museum eine Spende der Stiftung A. P. Møller og Hustru Chastine Mc-Kinney Møllers Fond til almene Formaal zur Instandsetzung der alten Bockwindmühle von Fejø. In den Herbstferien des gleichen Jahres wurde die Mühle zerlegt und bis 2011 von einem Mühlenbauer renoviert. Im Frühjahr 2011 wurde die Mühle auf der Wiese hinter dem Museum wieder aufgebaut. Das Museum hatte sich für diesen neuen Standort entschieden, da die Mühle hier in Betrieb genommen werden und ihre fantastische Mechanik demonstrieren kann.